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Wie fliege ich einen Tragschrauber?
  • Ein Adler fliegt souverän, er ist sich seiner Stärke bewusst, braucht anderen nicht zeigen, wie er fliegen kann. Er tut es einfach. 
  • Er gleitet dahin, ohne spürbare Veränderung seiner Flügel und seines Steuerschwanzes. 
  • Er beobachtet seine Umgebung haarscharf.
  • Sein Körper ist in bester Verfassung und technisch optimal in Schuss.
  • Er fliegt kraftvoll und kommt mit jeder Wetter- und Luftsituation zurecht.
  • Er hat Respekt vor jedem Flug und vermeidet, dass es sein letzter ist.


So sollte ein Tragschrauberpilot seinen Tragschrauber fliegen. Dazu kommt noch, was Adler sowieso nicht machen: er sollte wenigstens 24 Stunden vor dem Flug keinen Alkohol getrunken haben.

 

Eine nette Geschichte: Einmal hatte ich einen Fluggast, der partout der Meinung war, dass er vorne sitzen darf und den Tragschrauber steuern darf. Er sagte mir „das sieht so einfach aus und der Tragschrauber ist ja so klein!“

 

Der Tragschrauber ist einfach gebaut, ist klein und es ist einfach ihn zu fliegen, tja, wenn, ... wenn man dazu pro Jahr jeden 2. Tag durchschnittlich eine Stunde mit ihm in der Luft ist...

 

Also, der Tragschrauber ist ein Drehflügler und Flugzeug in einem... Ein Berufshubschrauberpilot hat bei seinem ersten Alleinflug mit dem Tragschrauber seinen Passagier schon in den Tod befördert. Ein Testpilot einer nationalen Luftwaffe hat sich bei einer Flugschau mit dem Tragschrauber auch in diesen Zustand katapultiert. Und beides waren bestimmt gute Leute.

 

Menschen haben keinen angeborenen Fluginstinkt. Wir können uns nicht wie ein Adler bei unserem Erstflug aus dem Nest in den Abgrund stürzen und fliegen, wir können es aber lernen, oder uns fliegen lassen von denen, die es von jemand anders gelernt haben und viel geübt haben.

 

Nun komm endlich zur Sache, Alter... sagt jetzt vielleicht mancher. Wie fliegt man das Ding? 


Zuerst einige wichtige Lektionen:

Geduld ist die 1. Lektion, die du gerade zu lernen hast. Es gibt viele wagemutige und junge Piloten, aber es gibt wenige alte wagemutige Piloten. Wie pflegte mein Fluglehrer zu sagen: ...die Schlechten werden ausgesondert...

 

Die 2. Lektion zum Lernen ist Respekt vor dem Element Luft zu haben. Ob man in 50 Meter Höhe fliegt oder in 4000 Meter, du bist ungefähr gleich platt am Boden, wenn du da oben einen kapitalen Fehler gemacht hast.

 

Die 3. Lektion ist Humor. Mit Humor lernst du am schnellsten, gerade dann, wenn du über deinen eigenen Fehler lachen kannst und noch so viel Spielraum hast, diesen Fehler zu überleben.*lach

 

Aus diesen Lektionen entwickelt sich Gelassenheit, Verantwortung, Liebe zur Fliegerei und Freude, die man mit anderen teilen möchte.

 

Also, jetzt kann es mit den Erklärungen losgehen:

 

Ein Passagier fragt mich mal, ob er am hinteren Steuerknüppel mitfühlen darf: er spürte nichts. Bis auf Start und Landung ist eine Bewegung am Steuerknüppel kaum zu erfühlen. Wenn du den Steuerknüppel einen Millimeter nach links bewegst, bedeutet das, dass du den Tragschrauber in eine Schräglage von 10 ° bringst. Soviel zur Sensibilität des Tragschraubers.

 

Über 90 km/h fliegt sich der Tragschrauber wie ein Flugzeug. Er fliegt schnell und äußerst stabil, so stabil wie kein anderes Fluggerät. Das kommt durch die Autorotation, die die Energie der Aufwinde erst in eine leicht erhöhte Drehzahl des Rotors umsetzt und dann den Tragschrauber sanfter als jedes andere Fluggerät mitgehen lässt. Bei Abwinden gibt der Rotor erst einen kleinen Teil seiner Energie an die umgebende Luft ab, erzeugt Auftrieb und geht dann mit dem Abwind ebenfalls wie beim Aufwind sanfter als jedes andere Luftfahrzeug (Jet, Flugzeug, Hubschrauber, Gleitschirm, Drachen, Trike, etc.) mit der Luftströmung mit.

 

Unter 90 km/h fliegt sich der Tragschrauber wie ein Hubschrauber. Man kann grandiose Flugmanöver mit ihm machen: auf der Stelle wenden und denselben Flugweg wieder zurück fliegen (allerdings mit ca. 50 m Höhenverlust), eine Umkehrkurve mit 10 m Wenderadius fliegen ohne Höhenverlust (dieses Manöver habe ich einem Hubschrauber abgeschaut, der Weinberge spritzte). Du kannst mit dem Tragschrauber seitwärts slippen mit 0 km/h Vorwärtsfahrt. Wenn du es schaffst, kannst du sogar rückwärts mit ihm fliegen. 

 

Was ist da die Voraussetzung dafür? Tja, ein Hubschrauberpilot muß mindestens 50 Stunden in seiner Ausbildung üben, den Hubschrauber zu beherrschen. Meinst du, du schaffst das in den vorgeschriebenen 30 Flugstunden für Tragschrauber mit beiden Luftfahrzeugmustern, den Charakteristiken des Hubschraubers und des Flächenflugzeugs gleichzeitig zurechtzukommen?

 

Ich habe mittlerweile über 1000 Stunden auf meinem Tragschrauber, der Duka. Es sind alles Flugstunden außerhalb von Platzrunden irgendeines gesicherten Flugplatzes.

Es sind echte eigene Erfahrungen mit vielen Wettersituationen, in vielen Ländern, von 0 Meter Meereshöhe bis in 4000m, 

 

  • oder 600 Meter über dem höchsten Gipfel der Dolomiten, der gletscherbedeckten Marmolata zu sein,  
  • oder über dem Meer zu sein, wo mich ein Gefühl des Glücks überkommt, wenn ich kein Land und kein Schiff mehr sehe und selbst für mich verantwortlich bin,
  • oder ein Segelflugzeug in enger Formation im Hochgebirge in 3500 m Höhe zu begleiten als Filmtragschrauber mit einem der besten Kameramänner für Luftaufnahmen, 
  • oder kurz vor Sonnenuntergang, also genau im spannendsten Moment des Spiels von Licht und Schatten, mit einem der besten Landschaftsfotografen in 3000 m Höhe vor der teils wolkenverhangenen Zugspitze zu sein....

 

 Alle Passagiere sollten sich wohlfühlen in allen Situationen, ein Vertrauen haben in die Maschine und in den Piloten, dass wir heile wieder runterkommen.

 

Ich danke allen für dieses Vertrauen.

Euer Konrad

 

 

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